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Datenskandal deckt üble Abzocke auf PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Cheffe   
Sonntag, den 16. August 2009 um 14:17 Uhr
Von Thomas J. Schmidt - Am Anfang war es «nur» ein Datenskandal: Ein Frankfurter Call-Center warf Unterlagen mit vertraulichen Mitarbeiter-Informationen ungeschreddert auf den Müll. Papiere, die offenbar versehentlich dazwischen gerutscht waren, sind allerdings wesentlich brisanter: Die belegen, dass das Call-Center systematisch Telefonabzocke betrieben hat. Frankfurt.  Die Papiere lagen in einer grauen Mülltonne, auf der vorne drauf ein «FES»-Aufkleber pappt. Der Hausmeister entdeckte sie, fragte sich, ob jemand sie verloren haben könnte, und brachte sie ins nahe Bürohaus zu Gerhard G. Der arbeitet beim Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und ordnete den Fund gleich als «hochbrisant» ein: «Vertrauliche Unterlagen, ungeschreddert im Müll – ein Skandal!» Das Call-Center Tele Dialog Service GmbH & Co. KG im Hausener Weg 120 hat jetzt ein echtes Problem: Im Internet wirbt es mit Sprüchen wie «Das höchste Gut bei TDS sind die Mitarbeiter». Die Papiere enthüllen: Peinlich genau wird jeder Mitarbeiter dieses Unternehmens beobachtet, Arbeitsleistung wie Fehlzeiten und Krankenstand werden detailliert bis auf zwei Stellen hinterm Komma ausgerechnet und notiert. Mit diesen vertraulichen Daten wird aber offenbar recht schlampig umgegangen. Bewerbungsunterlagen mit Zeugnissen und Kopien von Personalausweis und Sozialversicherungsausweis, individuelle Beurteilungen vom Verhalten – alles fand sich im Müll. «Ein Skandal, dass solche Daten zugänglich gemacht werden», urteilt Günther Sreball von der hessischen Datenschutzaufsicht beim Regierungspräsidium Darmstadt. «Alleine mit den fotokopierten Personalausweisen ließe sich viel Unheil anstellen.» Eine genauere Sichtung des ungefähr vier Zentimeter hohen Papierstapels brachte dann noch Unterlagen zutage, die belegen, mit welch brachialen Methoden in diesem Call-Center Telefonabzocke betrieben wird. Es sind «Schulungspapiere», in denen exakt festgehalten ist, was die Mitarbeiter zu tun haben: Sie müssen wildfremde Menschen anrufen und ihnen am Telefon Spielscheine der Norddeutschen und Süddeutschen Klassenlotterie andrehen. Wortwörtlich ist ihnen vorgeschrieben, wie sie «Kunden» bequatschen müssen – so lange, bis die Angerufenen ihre privaten Daten wie Namen und Anschrift und am Ende auch noch die Bankdaten rausrücken. «Der Direktmarketingverband sagt immer, es gebe keine unseriöse Ausbildung», sagt Datenschützer Sreball. «Aber die Unterlagen belegen das Gegenteil.» Er nennt die Vorgehensweise des Call-Centers «einfach ungeheuerlich»! Die FNP dokumentiert in Auszügen, wie dreist die Call-Center-Agenten vorgehen (siehe Link). Der Geschäftsführer und Besitzer der Firma TDS, Martin Callenberg, räumt gegenüber der FNP ein, dass etwas schief gelaufen sei. «Wir haben eine neue Technik bekommen, alte Unterlagen wurden herausgeräumt.» Normalerweise kämen solche Papiere in den Schredder. Diesmal sei wohl ein Fehler passiert. Was er nicht sagt, ist, dass es offenbar zum System seines Unternehmens gehört, persönliche Daten wildfremder Menschen einzuholen – selbst mit Falschaussagen, wie die Unterlagen beweisen. Die Firma TDS erzielte 2007 sieben Millionen Euro Umsatz. Derzeit hat es laut Callenberg 100 Mitarbeiter, meist mit Migrationshintergrund. Die Mitarbeiter in Call-Centern erhalten übrigens meist nur zwischen sechs und sieben Euro pro Stunde, weiß Beatrix Müller von Ver.di Hessen. Call-Center, die für externe Firmen Kunden akquirieren, gingen mit ihren eigenen Mitarbeitern oft rabiat um. Kontrolle durch die Vorgesetzten sei Dauerzustand. Laut Müller gibt es keinen Flächentarifvertrag und im Rhein-Main-Gebiet auch keine Betriebsräte. Günther Sreball von der Datenschutzaufsicht prüft jetzt rechtliche Schritte gegen die TDS.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 16. August 2009 um 14:35 Uhr
 

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